LUMEN

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Ein besonderes musikalisches Ereignis zum Reformationsjahr

Johann Sebastian Bach
Magnificat D-Dur (1733) BWV 243

Robert M. Helmschrott
Lumen (2017 ); Projekt Martinus: „Luther weiterdenken“

Ein musikalischer interreligiöser Dialog für 4 Vokalsolisten, Chor, Harfe und Orchester mit Texten aus dem Alten und Neuen Testament, dem Talmud, dem Koran, aus der Bhagavat-Gita, aus den Tischreden Martin Luthers, von Immanuel Kant, Meister Eckhart, Katharina von Genua, Boethius, Bertold Brecht, Konfuzius, Goethe.

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Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages logo_bkm

Die Idee

Ausgangspunkt für dieses Projekt waren einige historische Bezüge: Ingolstadt und Neuburg haben einen direkten Bezug zu Luthers Wirken: In Ingolstadt amtierte als Münsterpfarrer Johannes Eck (1486–1653), der spätere Gegenspieler Luthers. Die Neuburger Schlosskapelle, geweiht 1543, gilt als der älteste protestantische Kirchenraum Deutschlands.
Auch die Re-Katholisierung durch Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1578–1653) ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Georg Burkhardt, alias „Spalatin“ wurde 1484 in Spalt in Mittelfranken geboren. Er gilt als einer der engen Vertrauten von Martin Luther.
 

Zum Auftragswerk

Noch wenige Monate trennen uns vom 31. Oktober 2017, dem Tag, an dem vor 500 Jahren Martin Luther seine 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben soll. Mit dem 31. Oktober 2017 geht auch das von der EKD (Evangelischen Kirche Deutschlands) initiierte „Luther-Jahr“ zu Ende.

Zahlreiche Publikationen sind in diesem Luther-Jahr der Öffentlichkeit vorgelegt worden, viele Veranstaltungen haben sich mit „Luther und der Reformation“ beschäftigt und das Musikland Deutschland hat den Reformator mit Konzerten in Kirchen und Konzertsälen gefeiert. An 500 Jahre „Luther und die Reformation“ wurde/wird weltweit erinnert.

Das Ende der Bücherflut zu Martin Luther bereitet nun eine Veröffentlichung des Berliner Europahistorikers Heinz Schilling, emeritierter Professor der Humboldt-Universität Berlin. In einem Band das den schlichten Titel „1517“ trägt, erinnert uns Schilling an die Weltgeschichte eines Jahres. Das Jahr der Umbrüche und deren Folgen war nicht allein die Lebensleistung von Martin Luther: gerade hatte Kolumbus seinen Fuß in die neue Welt gesetzt, die Eroberung von Mexiko und die Auslöschung des Aztekenreiches nahm 1517 seinen Anfang. Auch Russland taucht 1517 in der Wahrnehmung der europäischen Höfe auf: ein Gesandter von Kaiser Maximilian macht sich auf den beschwerlichen Weg nach Moskau, die Portugiesen suchen Kontakt zum chinesischen Kaiser, werden aber erst nach vielen Monaten vorgelassen und das osmanische Reich bewegt sich unaufhaltsam nach Europa, die türkischen Heere erobern 1517 Kairo und haben damit freien Zugang nach Westen. 1517 erscheint „Die Klage des Friedens“ von Erasmus von Rotterdam, ein Jahr zuvor erschien „Utopia“ von Thomas Morus.

Fast zeitgleich mit Luther (1483-1531) trugen die „Revolutionäre“ Jean Calvin (1509-1564) und Huldrych Zwingli (1484-1531) zu einer breiten Erneuerungsbewegung der Theologie, Frömmigkeit und kirchlichen Praxis bei mit Wirkungen in Gesellschaft und Politik, die sie gleichermaßen zu einer Epoche der Christentums- und Allgemeingeschichte werden ließ. Zu diesem Reformprozess gehört auch die „Anglican Church“: König Heinrich VIII. löste sich 1532 von Rom und machte sich zum „Head“ der englischen Kirche.

Diese zeitgeschichtlichen Fakten waren für den Münchner Komponisten Robert Maximilian Helmschrott der Anlass seinen musikalischen Beitrag zum Luther-Jahr unter dem Begriff „LUTHER weiterdenken“ zu stellen. Das „Luther feiern“ wird mit dem Ende des Monats Oktober 2017 zu Ende sein. Der Reformationsgedanke muss aber lebendig bleiben und immer wieder mit Leben erfüllt werden als „Reformation

der Reformation der Reformation der Reformation“. Insofern war es in diesem Sinne beachtlich, dass am Ende des „Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin“ im Mai 2017 der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx zur „Versöhnung“ aufgerufen hat. „Luther weiterdenken“ heißt nicht mehr nur Ökumene, sondern nun auch „Versöhnung“.

Helmschrott geht in seiner Komposition, die er einen „interreligiösen musikalischen Dialog“ nennt, weiter. Er widmet sich in seiner Arbeit den drei abrahamischen Religionen (Urvater Abraham): dem Judentum, dem Christentum und dem Islam, die alle drei in ihren heiligen Büchern Gemeinsamkeiten aufzeigen. Der historische Weg, der vor uns liegt, ist die „Versöhnung“ dieser drei abrahamischen Religionen. Es wird Generationen dauern.

Helmschrott hat das Textbuch zu seiner „Groß-Kantate“ nach umfangreicher Lektüre einschlägiger Fachliteratur, der Vertiefung in das Alte und Neue Testament, in den Tanuch, die Thora und den Koran zusammengestellt. Zitate deutscher Dichterfürsten ergänzen das Werk das in drei Teile unterteilt ist: I: Tempus praeteritum (die vergangene Zeit), II: Tempus praesentia (die gegenwärtige Zeit), III: Tempus posteritus (die kommende Zeit). Solistische Passagen (Rezitative) wechseln mit Chorgesang (Chorälen) ab, wobei die Einbindung von Adaptionen russisch-orthodoxer Kirchenmusik an die Spaltung der römischen Kirche erinnert. Liedsätze in chassidischer Tradition und ein Zitat aus dem Kadisch (in hebräischer Sprache), sowie ein Aznan (Gebetsruf) und Verse aus dem Koran (in arabischer Sprache) dokumentieren die Thematik des Werks. Die Klanglichkeit basiert auf dem Modus H (h-cis-d-e-f-g-as-b), sowie einem Motiv daraus (f-e-d-cis und e-d-cis-h) und einem rhythmischen schnellen Signal, bestehend aus einem  Triolenimpuls.

Die UA ist am 23. September 2017 im Kongregationssaal Neuburg/Donau. Sechs weitere Aufführungen finden in Ingolstadt, Weilheim, München, Spalt/Mittelfranken, Berlin und Porto statt.

Die Leitung hat Franz Hauk, der diese Arbeit in Auftrag gegeben hat und dem das Werk auch gewidmet ist.

Einen spannungsvollen Kontrapunkt zum Auftragswerk von Robert Maximilian Helmschrott bildet das berühmte Magnificat – der Lobgesang Mariens –, das Johann Sebastian Bach 1733 in Leipzig komponierte.

Die Künstler

Der Komponist

Prof. Robert Maximilian Helmschrott, 1938 in Weilheim (Oberbayern) geboren, zählt zu den namhaften deutscher Komponisten der Gegenwart. Er war Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom (1967–1969), der Cité Internationale des Arts in Paris (1975) und „Artist-in-Residence“ in der MacDowell Colony Peterborough, N.H./USA (1993). Er erhielt mehrere nationale und internationale Kompositionspreise. Als Professor wirkte er an der Hochschule für Musik in München, war Vizepräsident von 1992 bis 1995 und Präsident von 1995 bis 2003.

Der künstlerischer Leiter

Franz Hauk studierte nach dem Abitur Kirchen- und Schulmusik sowie die Konzertfächer Klavier und Orgel an den Musikhochschulen in München und Salzburg. Zu seinen Lehrern zählen Aldo Schoen, Gerhard Weinberger, Franz Lehrndorfer und Edgar Krapp. 1981 erhielt er das Meisterklassendiplom. Mehrere Auszeichnungen folgten. Franz Hauk wirkt als Juror bei Musikwettbewerben und leitet Meisterklassen bei internationalen Musikfestivals. Seit Oktober 2002 lehrt er im Bereich Historische Aufführungspraxis und Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater München. 2013 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

 

Simon-Mayr-Chor

Der Simon-Mayr-Chor wurde von Franz Hauk als Projektchor gegründet. Das Repertoire des Chores umfasst musikalische Werke vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Die Mitglieder sind Gesangsstudenten der Hochschule für Musik und Theater in München und professionell ausgebildete Sängerinnen und Sänger aus Ingolstadt und der Region sowie immer wieder Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper München. 2009 sang der Simon-Mayr-Chor die Uraufführung des Oratoriums „Augustinus“ von Enjott Schneider. Zahlreiche CD-Ersteinspielungen mit Werken von Johann Simon Mayr, Gaetano Donizetti und Ferdinando Paër sind in den vergangenen Jahren beim Label NAXOS erschienen, zuletzt: „Telemaco“ von Johann Simon Mayr, „Messa di Gloria and Credo in D“ von Gaetano Donizetti.

Concerto de Bassus

ist international besetzt mit engagierten Instrumentalisten, die sich an einer historisch informierten Aufführungspraxis orientieren und Musik des 17. bis 21. Jahrhunderts in variablen Besetzungen aufführen. Der Name des 2014 zusammen mit der Geigerin Theona Gubba-Chkheidze gegründeten Ensembles stammt von einem europaweit vernetzten, in der Region beheimateten Adelsgeschlecht, das bis heute Kultur und Wissenschaft fördert.

Veranstalter

Simon-Mayr-Chor & Ensemble e.V.
Gisela Schwarzbeck & Michaela Mirlach-Geyer
info@simon-mayr-chor.de, Tel. 0 84 65/9 59 97 98 (Anrufbeantworter)

Künstlerischer Leiter

Franz Hauk, franz.hauk@simon-mayr-chor.de

Förderung

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages logo_bkm

Partner

Das Martinus-Projekt wird gefördert und unterstützt aus dem Förderprogramm „Reformationsjubiläum 2017“ der Bundesregierung Deutschland, dem Kulturfonds Bayern, vom Bezirk Oberbayern, von der Stadt Ingolstadt, der Stadt Neuburg und von der evangelischen Kirche Bayern.

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